Das Problem des trockenen, deutschen Shishatabaks;

Es ist Shisha-Rauchern in Deutschland schon längst ein Dorn im Auge: Seit 2004 ist nur noch Wasserpfeifentabak mit unter 5% Feuchtigkeit (welche sich im Prinzip  aus dem Glycerin- und Melasseanteil zusammensetzt) käuflich zu erwerben. Ein solcher Tabak hat im Gegensatz zu einem richtigen ein sehr trockenes Erscheinungsbild und bietet nicht dieselbe Rauchqualität. Beim Shisharauchen erhitzt die aufgelegte den Tabak und das Glycerin beginnt zu verdampfen. Es ist auch der eigentliche Stoff, der für die Rauchentwicklung verantwortlich ist. Zunächst einmal kann auch ein deutscher, trockener Tabak gut geraucht werden, allerdings nur einige Minuten lang: Dann merkt man meist schon, wie es beginnt, im Hals zu kratzen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die geringe Feuchtigkeit im Tabak schon nach kurzer Zeit verdampft worden ist und die Hitze der Kohle jetzt dem Tabak selbst “an die Substanz” geht, wobei er doch im Shishatabak eigentlich nur als Trägermittel fungieren sollte. Durch den angebrannten Tabak entsteht das berüchtigte Kratzen einer Shisha, meist kann man sie dann nicht mehr rauchen. Bei hochqualitativen, “normalen” Tabaken sieht es anders aus: Diese haben einen Feuchtigkeitsgehalt von 20-25% und können 30-60 Minuten ohne Probleme geraucht werden. Meist ist hier dann sogar die Kohle der limitierende Faktor und muss nachgelegt werden.

Glücklicherweise ist man als Privatperson von der 5%-Regel nicht allzu schwer getroffen, denn man kann in jeder gut geführten Apotheke lebensmittelreines Glycerin kaufen, entweder als reine Flüssigkeit (welche dann aber so dickflüssig wie Honig und deswegen schwer zu handhaben ist) oder als 85%ige Variante mit 15% Wasser (immer noch sehr dickflüssig, aber viel besser handzuhaben als das pure Glycerin). Wie also kann man seinen 5%-Tabak in einen feuchten, 25%-Tabak umwandeln? Dies funktioniert folgendermaßen: Eine 40g- Packung deutscher Tabak wird in eine kleine Schale gegeben. Dann werden mithilfe einer Pipette oder einem kleinen Abmessglas 8-10mL 85%iges Glycerin hinzu und rührt die Mischung gut durch. Sie wird dann in ein dichtes Gefäß gegeben und darin einige Tage ruhen gelassen, bis der Tabak die Feuchtigkeit aufgenommen hat. Dann kann er auch schon verwendet werden. Hinweis: Der Shisha-Tabak sieht jetzt auch äußerlich viel feuchter aus und es kann sogar teilweise so aussehen, als würde er im eigenen Saft “schwimmen”. Dies ist aber für einen 25%-Feuchtigkeitstabak normal!

Statt Glycerin auf den Tabak zu gießen, kann im Fachgeschäft oder online auch Molasse gekauft werden, sie besteht aus Glycerin und einem Aromastoff. Verwendet man also statt Glycerin Molasse mit demselben Aromastoff, der auch im Tabak enthalten ist, so erhält man schlussendlich ein Produkt, das sowohl schön feucht ist als auch keinen “verdünnten” Geschmack hat. Wenn man nämlich nur reines Glycerin ohne Aroma auch 5%-Tabak mit einem bestimmten Aroma gibt, so wird dieser am Schluss zwar schön feucht sein und eine gute Rauchbildung aufweisen, allerdings einen weniger intensiven Geschmack haben. Man sollte also, wenn man z.B. einen 5%-deutschen Kirschtabak verbessern will, dazu auch Molasse mit Kirschgeschmack verwenden, um ein perfektes Ergebnis zu bekommen! Natürlich kann man auch Geschmäcker mischen, dies kann sich sogar als noch besser herausstellen, wobei man hier natürlich sagen muss, dass probieren immer über studieren geht! Vielleicht schaffen Sie es ja, eine sehr gut schmeckende Mischung herzustellen? Falls ja, schicken Sie uns doch bitte eine Nachricht, solche Rezepte würden wir gerne mit der Community teilen!

Von einer Aufhebung der 5%-Regelung ist übrigens in nächster Zeit nicht auszugehen. Das Gerücht, dass feuchterer Tabak auch eine höhere Gefahr der Gesundheitsschädigung mit sich bringt, scheint immer noch als Urban-Legend in entsprechenden Kreisen zu kursieren. Dabei ist das genaue Gegenteil der Fall: Mehr Feuchtigkeit bedeutet nämlich, dass der Tabak weniger schnell oder überhaupt nicht anbrennen kann. Erst durch das Anbrennen des Tabaks entstehen nämlich Verbrennungsprodukte, die eine potentiell schädliche Wirkung haben. Oft wird auch behauptet, Glycerin zerfalle in der Hitze zu dem giftigen Produkt Acrolein. Acrolein entsteht jedoch erst bei noch höheren Temperaturen und macht sich schon in geringsten Mengen mit einem beißenden Geruch bemerkbar. Es entsteht also wenn überhaupt bei weniger feuchtem Tabak, da dieser leichter überhitzt, weil das verdampfende Glycerin die Hitze der Kohle nicht mehr abführen kann. Dass dieser simple Zusammenhang von den verantwortlichen Politikern und “Wissenschaftlern” nicht nachvollzogen werden kann, ist einfach nur traurig.

 


Kommentare

Das Problem des trockenen, deutschen Shishatabaks; — 6 Kommentare

  1. Zu Eurem letzten Satz “Dass dieser simple Zusammenhang von den verantwortlichen Politikern und “Wissenschaftlern” nicht nachvollzogen werden kann, ist einfach nur traurig.” möchte ich unseren Politikern gerne den Rücken stärken. Zwar mag aus der einen Perspektive so aussehen, wie Ihr es darstellt. Doch hat diese 5%-Marke auch ein berechtigtes Dasein. Denn hierdurch wird verhindert, dass Tabak gestreckt wird und somit an Qualität verliert – die Steuerbanderole an der Packung ist nicht umsonst da.
    Ich nehme auch immer Glycerin zur Hand, wenn ich deutschen Tabak kaufe, das sehe ich allerdings nicht als lästiges Ärgernis sondern als “Feature”. Wenigstens bekomme ich auf die Art und Weise immer genau gleich viel Tabak für mein Geld.

  2. Da hat der Flo m.M.n. Recht! Zwar ist 5% schon streng, jedoch setzen sämtliche Politiker diese Gesetzte nicht aus Spaß. Im Endeffekt ist der normale deutsche Tabak auch vollkommen i.O. zum rauchen! Vor allem wenn man sich gleich größere Packungen bestellt!

    Cheers,

    J

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