Ernte und Trocknung

10.08: Die ersten Blätter werden abgeerntet

Wir haben mittlerweile die ersten Blätter abgeerntet. Der perfekte Erntezeitpunkt hängt davon ab, welche Tabakwaren Sie herstellen wollen. Da wir vor allem die Herstellung von Zigaretten und Shisha-Tabak planen, müssen wir die Blätter ernten, wenn sie “vollreif” sind. Das bedeutet, dass sie sich erst hellgrün bis gelb verfärben müssen, bevor man sie aberntet. Diese Reifung geht von unten nach oben vonstattten. Erst werden die Grumpen gelb und fallen ab, man erntet diese Blätter nicht, da sie sowieso mehr oder weniger durch Erde verdreckt sind. Auch werden sie oft durch die feuchte Erde von Mikroorganismen angegriffen und fangen an, zersetzt zu werden. Sollten Sie z.B. Zigarrentabak wollen, dann müssen Sie die blätter “vorreif” (nicht vollreif!) ernten, also wenn sie noch grün sind.

Der Unterschied besteht allgemein darin, dass vollreif geerntete Blätter schon fast abgestorben sind. Werden sie abgeerntet, so trocknen sie sehr schnell und der im Blatt enthaltene Zucker wird nur noch geringfügig abgebaut. In der Folge enthält der trockene Rauchtabak mehr Zucker, was beim Rauchen einen säuerlichen Geschmack ergibt, wie man ihn von Zigaretten kennt. Die vorreif geernteten Blätter sind noch grün und ihre Vitalfunktionen fast vollkommen intakt. Das heißt, dass das Blatt während der Trocknung noch fast alle im Blatt enthaltenen Zucker-Verbindungen abbauen kann, was zu einem alkalischem Rauchgeschmack führt.

Im nächsten Stadium werden sie sogenannten Sandblätter reif und dann nach und nach das Mittelgut, Hauptgut und das Obergut. Wer sehr akribisch auf kleinste Geschmacksunterschiede beim fertigen Tabak achtet, der kann diese unterschiedlichen Blattarten beim Trocknen trennen. Wir haben uns aber dafür entschieden, alle Blätter eine Sorte zusammen zu trocknen.

Allgemein sollten die Blätter mit einer Drehbewegung der Hand vom Stengel entfernt werden. Auf keinen Fall sollte man sie “abziehen”, denn damit schädigt man den Stiel. Lässt sich ein Blatt nicht ohne größeren Kraftaufwand “abdrehen”, so ist es wohl einfach noch nicht erntereif (im Fall von Zigarettenherstellung). Die Blätter werden in einem Abstand von einigen Tagen geerntet. Die erhaltenen Blätter werden am besten einzeln oder bündelweise (hier muss gute Belüftung gewährleistet sein, sonst droht Schimmelbefall) in einer Scheune oder ähnlichen aufgehangen. Wichtig ist, dass sie nicht der direkten Sonne ausgesetzt sind, nicht aneinanderkleben und dass der Trocknungort einen Luftaustausch gewährleistet (am besten gekipptes Fenster oder ähnliches). Hier einige leider recht kleine Virginia-Blätter:

Trocknende Virginia-Blätter

Wir haben also einfach immer einige Blätter mit einer Schnur zusammengebunden (jeweils an einem Ende der Schnur) und das ganze dann über einen Balken gelegt. Diese Methode ist relativ platzsparend und auch zeitlich nicht sonderlich aufwendig.

12.08: Ernte des kompletten Bauerntabaks

Im oben beschriebenen Ernte-Teil wurde nur die Ernte der “Tabacum”-Arten beschrieben, also die des Virginia-und Orient-Tabaks. Da der Bauerntabak “Nicotiana rustica” botanische eine andere Art darstellt, verhält es sich auch mit der Ernte etwas anders. Während manche auch den Bauerntabak abreifen lassen und die gelben Blätter nach und nach ernten, empfehlen andere, die ganze Pflanze grün zu ernten und zu trocknen. So wird oder wurde es beispielsweise auch in Russland praktiziert.

Da unser Bauerntabak leider seltsame braune Flecken an den Blättern bekommen hat, haben wir uns dafür entschieden, ihn nach letztere Methode abzuernten, also alle Pflanzen als ganzes. Hier die Ausbeute:

Geerntete Bauerntabake

Die Pflanzen haben wir dann an einen belüfteten Ort auf Kartonpapier ausgelegt, sodass sie möglichst ausgebreitet liegen, um Schimmelbefall zu vermeiden. Den Bauerntabak verwenden wir übrigens ausschließlich für die Herstellung von Shisha-Tabak und zur Extraktion von Nikotin (Bauerntabak ist unglaublich nikotinreich). Mit dem extrahierten Nikotin wollen wir versuchen, eigenen E-Zigaretten-Liquids herzustellen, da die dafür benötigten Nikotinbasen bald vllt. nicht mehr frei erhältlich sind. Insgesamt ist der genaue Geschmack des fertigen Bauerntabaks also nicht so wichtig.

Momentan ernten wir also alle paar Tage unseren Tabak ab. In einigen Wochen sollte dann die komplette Ernte eingefahren sein. Freuen Sie sich auf das nächste Update!

22.08: Ein Zwischenbericht zur Ernte

Mittlerweile ernten wir schon einige Wochen den Virginia- und den Orienttabak. Dabei achten wir stets darauf, nur Blätter zu ernten, welche schon gelb oder zumindest hellgrün (“vollreif”) sind. Dies ist wie oben erwähnt für den späteren Geschmack des trockenen Tabaks wichtig. Der Holzbalken ist mittlerweile mit einigen Blättern “geschmückt”! Hier die trocknenden Virginia-Blätter!

Trocknende Virginia-Blätter

Von den fast trockenen Blättern haben wir schon einmal ein wenig abgebröselt und es in der Hand zerrieben- es riecht eigentlich überraschenderweise genau wie guter gekaufter Zigarettentabak. Die Blätter wurden, wie man deutlich erkennen kann, von links nach rechts über Wochen hinweg aufgehangen (mit Ausnahme des ganz linken Blattes). Ab und zu sind einige Blätter am Boden gelegen, wenn wir neue Blätter aufhängen wollten oder nach der Trocknung sehen wollten. Dies lag daran, dass wir die Tabakblätter mit Wurstgarn zusammengebunden haben und durch den Volumen- und Masseverlust bei der Trocknung der Knoten immer lockerer wurde, sodass die Blätter am Schluss schon beim geringsten Windstoß herabfielen. Es empfiehlt sich daher, jede Woche die Knoten etwas nachzuziehen, um dies zu verhindern. Ansonsten sieht es aber weiterhin gut aus. Bis zum nächsten Update!

05.10: Der gesamte Tabak wurde geerntet

Wir haben nun endlich den gesamten Tabak geerntet, also auch der vom Parallelanbau stammende, der hier nicht dokumentiert wurde. Die Pflanzen dort waren schließlich bis zu 2 Meter hoch (ohne Blütenspross) und die Blätter waren teilweise deutlich länger als ein gesamter Arm. Da die Blätter aber nur sehr langsam abreiften, haben wir die oberen Blätter gezwungenermaßen grün geerntet. Eigentlich hätte die Ernte um diese Jahreszeit schon längst stattfinden müssen.

Der Tabak vom Hauptanbau ist mittlerweile komplett trocken und wurde abgehangen. Hier auf diesem Bild ist nur der fertige Virginia-Tabak gezeigt, der Orient war aber auch schon fertig gereift und getrocknet.

Fertiger Virginia-Rohtabak

Hier noch eine Art Übersichtsbilder über all den aufgehangenen Tabak. An jedem der Bündel hängen etliche Tabakblätter (bis zu 6-10). Eigentlich wollten wir die Tabakblätter nicht so stark komprimiert trocknen, vor allem aufgrund der Schimmelgefahr, da wir aber hinsichtlich dieser Sache noch nie ein Problem hatten und auch ein allgemeiner Platzmangel vorherrschte, haben wir das einfach mal gewagt.
  • Bild 1: Im linken “Rechteck” hängen nur Orients, im rechten “Dreieck” nur Virginias.
  • Bild 2: Hier hängen aussließlich Virginias (gegenüber der Bild1-Ansicht), einige bereits trocken.

Trocknender Tabak

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Trockene Virginias und noch trocknende Virginias