Überblick über den Tabakanbau

Allgemeines über den Tabakanbau

Normaler Rauchtabak kann, was viele Menschen nicht wissen, auch in Deutschland angebaut werden und ertragreich geerntet werden. Besonders aufgrund der immer höher besteuerten Zigaretten lohnt sich ein privater Eigenanbau von Tabak mittlerweile sogar sehr. Leider kursiert immer wieder das Gerücht, der Anbau von Tabak sei in Deutschland illegal – dem ist nicht so! Allerdings darf der gewonnene Tabak nicht verkauft werden, dies wäre eine Straftat. Tabaksamen können im örtlichen Gartengeschäft oder in Internetshops erworben werden. Die Preise belaufen sich auf 2-4 Euro/500 Samen. Tabaksamen sind allgemein sehr klein. Lediglich der Bauerntabak (“Nicotiana Rustica”) hat größere Samen, stellt aber auch botanisch eine komplett andere Art dar als die als Rauchtabak bezeichneten “Nicotiana tabacaum”-Sorten.

Aussaat der Tabaksamen

Tabaksamen des Bauerntabaks

Samen des Bauerntabaks (“Nicotiana Rustica”)

Der normale Rauchtabak (“Nicotiana Tabacum”) ist eine einjährige, bis zu drei Meter hoch wachsende Pflanze, die zur Familie der Nachtschattengewächse gehört, genau wie z.B. Kartoffeln oder Tomaten. Es handelt sich wie gesagt um eine einjährige Pflanze, was bedeutet, dass sie nach einem biologischen Zyklus abstirbt und neu gepflanzt werden muss. Sie bevorzugt “normale”, lockere Böden, zuhause verwendet man also am besten Standard-Blumenerde. Man kann die Samen direkt in den Garten auspflanzen, wenn kein Bodenfrost mehr auftritt (also ab Mitte Mai) oder sie erst im Haus auf der Fensterbank vorziehen und danach auspflanzen, was zu empfehlen ist.

 

Wenn man sich dazu entscheidet, sie im Haus vorzuziehen, fängt man damit am besten Mitte März an. In eine kleine Schale wird Anzuchterde oder Blumenerde gegeben und darauf einige Samen der gewünschten Tabaksorte. Man sollte sie ein bisschen, aber nicht zu fest andrücken, da sie sonst aufgrund ihrer geringen Größe und ihres leichten Gewichts schnell in der Erde verschwinden. Dies darf nicht passieren, denn die Tabakpflanze ist ein Lichtkeimer. Die Schale mit den Samen wird nun über 1-2 Wochen an der Oberfläche immer mit einem Wasserzerstäuber leicht feucht gehalten, bis die meisten Samen gekeimt sind. Haben die Keimlinge nach einiger Zeit schließlich eine gewissen Größe erreicht, so werden sie in einen eigenen Topf umgepflanzt. Sie sollten hierfür mindestens einen Zentimeter hoch sein und einige klar definierte Blättchen ausgebildet haben.

Pikieren der Sprösslinge

Das Umpflanzen/Pikieren in einen eigenen Topf muss auf jeden Fall erfolgen, da sich die in der Aussatsschale befindenden Tabakkeimlinge schon bald gegenseitig in ihrem Wurzelwachstum behindern würden. Zum Pikieren nimmt man einfach einen Löffel oder einen speziellen Pikierstab und hebelt die Pflänzchen vorsichtig, ohne dabei die kleinen Wurzelansätze zu beschädigen, aus der Erde heraus und setzt sie in ein in dem anderen Topf vorgefertigtes kleines Loch hinein und drückt sie leicht mit Erde an. In diesen kleinen Einzeltöpfen können die Pflanzen nun etwa 2 Monate wachsen, wobei sie genügend Platz haben, um Wurzeln zu bilden.

Aufzucht der Tabakpflanzen

Ab Mitte Mai können diese Pflanzen jetzt in den Garten umgepflanzt werden. Alternativ kann man sie auch in einen großen Blumentopf oder Kübel einpflanzen, man sollte hierbei jedoch die Größe des Behälters nicht zu klein wählen, sonst wird der Tabak später nicht genügend Freiraum für die Entwicklung eines vollen Wurzelsystems haben und so auch schlechter wachsen. Der Topf sollte schon 3-5 Liter Volumen fassen. Nach 6 bis 8 Wochen sollte der Tabak schon ordentlich gewachsen sein und ca. 25-35cm hoch sein.

Tabakpflanze

Tabakpflanze im Garten, noch ohne Blüten

Zu diesem Zeitpunkt hat der Tabak noch keine Blütenstände entwickelt. Er wird aber nun anfangen, schnell in die Höhe zu wachsen und auch bald Blütenstände bilden. Diese sind zwar schön anzusehen, müssen aber abgeschnitten werden, da die Pflanze sonst zuviel ihrer Energie auf die Blüten und nicht auf die Blätter, welche ja schlussendlich zum Tabak verarbeitet werden sollen, konzentriert. Man sagt auch, die Pflanze wird “geköpft”. An welcher Stelle und Höhe man köpft hängt sehr von der speziellen Pflanze und auch von dem Ziel des Anbaus ab: Will man Zigarrentabak herstellen oder Zigarettentabak? Auf solche genauen Fragen werden wir später noch eingehen. Zu beachten ist nach der Köpfung außerdem, dass genau an den Stellen, wo sich vorher der Blütenzweig befand, jetzt Seitentriebe gebildet werden, die allerdings nur kleine Blätter hervorbringen würden. Deswegen werden auch diese abgetrennt.

Ernte und Weiterverarbeitung

In den nächsten Wochen beginnen die Blätter der Pflanze von unten nach oben abzureifen, sie bekommen gelbe Ränder oder Flecken. Sie werden dann seitlich abgebrochen, allerdings nur wenn sie sich leicht ablösen lassen. Zieht man die Blätter mit Gewalt ab, so beschädigt man den Rest der Pflanze. Die Blätter ganz unten (die “Grumpen”) lässt man übrigens immer stehen, erst eine Schicht weiter oben beginnt man zu ernten.

Die Blätter werden schließlich an einem luftigen, trockenen Ort getrocknet, indem man sie an einer Schnur oder sonstigem auffädelt. Dabei müssen Sie allerdings unbedingt einen gewissen Abstand zwischen den einzelnen Blättern einhalten. Ist dieser Abstand nicht vorhanden, so berühren sich die noch feuchten Blätter und es können “Brandherde” für Bakterien und Schimmelpilze entstehen. Beim Trocknen kann es sein, dass die Blätter nicht gleichmäßig von der grünen auf die gelbe Farbe wechseln, sondern punktartig, dabei handelt es sich aber nicht um einen Befall. Die Blätter sind gesund! Am Schluss sollten sie alle braun und trocken sein. Weiterführend kann man die Blätter noch weiter aufarbeiten, um einen guten Tabak zu erhalten. Dies besprechen wir detailliert auf der Seite Endverarbeitung des Tabaks.